Was geschah am 31. Oktober 1517?

Hammer oder Klebstoff, Akkuschrauber oder Tesafilm?

Was benutzte Martin Luther, um seine Thesen über den Ablass an die Tür der Schlosskirche in Wittenberg zu befestigen? Und: Hat er sie dort überhaupt angebracht oder nur als Brief verschickt?

Philipp Melanchthon schrieb in seinen bio­grafischen Aufzeichnungen über diese Tage, Luther habe die Thesen an die Tür geklebt. Hunderte von Jahren hat man angenommen, dass er das Thesenpapier mit gewaltigen Hammerschlägen dröhnend an die Tür ge­ schlagen hat.

Sicher ist, diese Tür war die Litfaßsäule der Universitätsstadt Wittenberg.

Und wer etwas bekanntgeben wollte, konnte sie nutzen. Si­cher ist, dass Luther die Thesen auf Latein verfasst hat und mit ihnen zu einer theologi­schen Disputation einladen wollte. Sicher ist auch, dass er sie als Brief an die Bischöfe von Mainz und Brandenburg geschickt hat.

Wie auch immer dies geschah, sie wurden gedruckt, dann übersetzt und auf Deutsch gedruckt. Und was zunächst für ein theolo­gisches Gespräch gedacht war, darüber rede­te ein paar Wochen später ganz Deutsch­land: In Augsburg konnte man sie kaufen, bis Hamburg waren sie Anfang Dezember, bis ins Elsass Anfang Januar gekommen und Erasmus von Rotterdam sandte sie Anfang März nach England.

Die Thesen waren in aller Munde; und dies zu einer Zeit, in der die Menschen jeden Weg zu Fuß gingen, die Post unsicher war und oft Wochen brauchte, um in die über­ nächste Stadt zu gelangen und die Men­schen durch keine technischen Hilfsmittel untereinander Verbindung herstellen konn­ten.

Ob nun mit Hammerschlägen oder als Brief verschickt, die 95 Thesen Martin Luthers zum Umgang mit dem Ablass sind Auslöser für die Reformation gewesen. Dies ist in diesem Jahr 500 Jahre her. Am 31. Oktober feiert die evangelisch – lutherische Kirche in Witten­berg und überall auf der Erde dieses Jubilä­um; mit vielen katholischen und anderen Christen und Christinnen, die alle auf ihre Weise dieses Ereignis begehen, feiern, kri­tisch begleiten. – Und wir feiern auch!

Mit allen, die diesen Tag vorbereiten: Kirchenvorstand, Musiker, Chor, Slammer, Jugendliche, Konfirmand*nnen und Referenten, lade ich Sie herzlich ein, dieses 500. Jubilä­um der Reformation in der Melanchthonkir­ che zu begehen.
Wir freuen uns auf Sie und Euch,

Ihr/Euer Pastor Axel Kawalla

Posted in Editorial, Melanchthonzeitung