Kein Ziel ist auch keine Lösung – Gedanken einer Boulekugel im Herbst

Ein Plädoyer, Boule zu spielen.

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Boule

Manchmal bin ich eine Kugel, die dick im Sand liegt; keiner hilft mir raus. Ich fühle mich so schwer und beschwert und das Leben hat solch eine Last.

Da denke ich: Es müsste sich ein Loch von unten auftun und schon, schwupps, wär ich weg. Oder eigentlich müsste ich nur abwar­ten. Dann würde ich allein durch diese ganze Schwere in der
Erde versinken, Richtung Erd­mittelpunkt. ­ Könnt ja sein. Das sind dann Zeiten, in denen berührt mich nichts, nichts kommt an mich heran und bewegen kann mich schon gar nichts.

Manchmal bin ich eine Kugel
und fliege durch die Luft –
die Flugbahn – die ahne ich.

Es wird ein glänzender Flug.

Ich genieße die Höhe und den Ausblick: Es hat etwas Erhabenes. Es fühlt sich gut an, da oben, schon fast bei den Wolken dazuzugehören. In dem Moment denke ich auch gar nicht darüber nach, wo­ hin ich überhaupt fliege. Das ist nicht so wichtig.

 

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Boule

Manchmal bin ich eine Kugel und werde getroffen, von ei­ner anderen. Das ist ein harter Schlag. Der Sand knirscht zwi­schen den äußeren Metall­schalen. Und wenn das passiert, merke ich, wie die Wellen des Schlags einmal durch mich hindurch gehen. Und ich komme in Be­wegung, es stößt mich weiter, irgendwohin.

Fliegen ist das dann nicht, sondern ich werde in eine Richtung getrieben und gestoßen, die ich nicht selbst bestimme.
Und dann weiß ich auch gar nicht, ob das andere eine Kugel war, die zu mir gehört, mit demselben schönen Muster wie ich es habe. Oder etwa eine fremde Kugel. Jeden­ falls eine andere Kugel trifft mich und stößt mich.

Manchmal ist es die richtige Richtung, oft auch die falsche. Und eigentlich ist es egal, wer mich trifft. Hauptsache es geht in die richtige Richtung. Die richtige Richtung, in die ich rollen muss, bestimmt ja diese kleine Holzkugel. Diese Kugel kann man verfehlen, um Zentimeter oder ein paar Meter, mehr nicht.

Ihr / Euer Axel Kawalla

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