Zeit

Zeit“ scheint ein viel genutztes Wort und ein fast beflügeltes Wort in den letzten Wochen. Man hört von schwieriger Zeit, Ausnahmezeit, Krisenzeit, in Zeiten von, Zeit für…– im Rundfunk und Fernsehen wird gefragt: „Wie nutzen Sie Ihre gewonnene Zeit?“ „Wofür nimmt man sich Zeit?“

Ich frage mich: Haben wir wirklich Zeit gewonnen? Oder nicht doch eher verloren? Klar, für vieles, dass im Alltag liegen geblieben ist, habe ich nun Zeit. Die Universität ist geschlossen. Ich habe viel gestrickt, für meine Bald-Nichte aus alter Kleidung Strampler genäht, mit Aquarellmalen angefangen, Fenster geputzt (das erste Mal seit ich vor 2 Jahren in meine Wohnung gezogen bin), an diesem Wahnsinns-Hackathon #glaubengemeinsam der ev. Jugenddelegation teilgenommen! Dafür hätte ich sonst wahrscheinlich keine Zeit gehabt oder sie mir irgendwo zusammenklauben müssen. Aber habe ich nicht trotz dieses Gewinns auch viel Zeit verloren? Ich habe meine Freunde und Patenkinder schon seit Wochen nicht mehr gesehen, auch meine Familie habe ich nur per Video sehen können, da ich nicht in Hannover wohne und Fahrten nach Hause aktuell zu vermeiden sind. Die gemeinsame Zeit mit anderen habe ich verloren.

Zeit, was hat es damit auf sich? Was macht die Zeit mit uns in den letzten Wochen?

Obwohl ein Kontaktverbot besteht, scheinen Gesellschaft und Gemeinden zusammenzurücken. Es gibt viele Hilfsangebote, auch bei uns, etwa die Nachbarschaftshilfe zum Einkaufen, der Blumenhändler unseres Wochenmarktes liefert Ihnen Ihre Blumen und damit den Frühling nach Hause. Im Netz entstehen viele Angebote für Gottesdienste und Seelsorge, um unser Gemeindeleben aufrechtzuerhalten und unseren Glauben zu stärken. Überall vernetzen sich Menschen um kreative Angebote für Kinder, Familien und Senioren zu erstellen, um diese Zeit so angenehm wie möglich zu machen, so abwechslungsreich und so leicht wie möglich.

In der Bibel bei Prediger 3,14 steht: „Ein jegliches hat seine Zeit, und alles Vorhaben unter dem Himmel hat seine Stunde: geboren werden hat seine Zeit, sterben hat seine Zeit; pflanzen hat seine Zeit, ausreißen, was gepflanzt ist, hat seine Zeit; töten hat seine Zeit, heilen hat seine Zeit; abbrechen hat seine Zeit, bauen hat seine Zeit; weinen hat seine Zeit, lachen hat seine Zeit; klagen hat seine Zeit, tanzen hat seine Zeit; Steine wegwerfen hat seine Zeit, Steine sammeln hat seine Zeit; herzen hat seine Zeit, aufhören zu herzen hat seine Zeit; suchen hat seine Zeit, verlieren hat seine Zeit; behalten hat seine Zeit, wegwerfen hat seine Zeit; zerreißen hat seine Zeit, zunähen hat seine Zeit; schweigen hat seine Zeit, reden hat seine Zeit; lieben hat seine Zeit, hassen hat seine Zeit; Streit hat seine Zeit, Friede hat seine Zeit.“

 

Welche Zeit ist jetzt? Für Sie? Für uns? Für unsere Gemeinde?

 

Es ist Zeit für

Beten,

Bitten,

Trauer,

Neues,

Altes,

für Hoffen, dass die Zeit der Krise bald ein Ende hat und wir zu unserem Stück „Normalität“ zurückfinden können. Aber soll alles wieder zum Alten zurück? Gibt es nicht etwas, was wir mitnehmen können, was wir beibehalten wollen? In dieser Zeit haben wir Bewusstsein für viele Dinge wiedererlangt, die vorher im Alltag verschwunden waren. Wollen wir uns das nicht beibehalten? Wir wollen hoffen, dass diese Zeit auch etwas Gutes hat, etwas Hoffnungsvolles für unsere Zukunft, uns zu stärken, uns zu sensibilisieren, uns bewusst zu machen, was wirklich zählt, uns zusammenzuführen, wo wir uns vielleicht aus den Augen verloren hatten.

für Chancen. Manche Umstellungen haben Sie vllt. mitbekommen, z.B. dass Parfumhersteller nun Desinfektionsmittel produzieren, Automobilzulieferer Atemmasken herstellen, andere Produktionsbetriebe medizinische Geräte herstellen, ein Messebauer aus Hannover etwa hat seine Messestände zu mobilen Kabinen für Isolationspatienten auf Behelfskrankenstationen umgebaut. Die Krise bringt viel Verzweiflung für Unternehmer und Einzelhändler mit sich, Herausforderungen, denen sie teilweise nicht gewachsen sind. Aber diese Beispiele zeigen, dass diese Zeit auch Zeit für Kreativität, Improvisation und damit für Chancen ist. Mit dem Einfallsreichtum findiger Unternehmer und vieler Menschen

 

Wie geht es Ihnen? Was macht diese Zeit mit Ihnen?

In diesem Sinne, bleiben Sie gesund und machen Sie das Beste aus Ihrer Zeit.

Jessica Brückner

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