Ausflug nach Hildesheim

Pastor Axel Kawalla hatte eingeladen zum Familiengottesdienst zum Erntedank.

Und aus Melanchthon kamen Grüppchen mit Auto, Bahn und Fahrrad, um sich seine neue Wirkungsstätte anzusehen.
Die St.­Andreas­Kirche ist mal was ganz an­ders als die kleine, überschaubare, kuscheli­ge Melanchthonkirche. Allein die Ausmaße sprechen für sich: Länge 80 m, Breite 35 m, Höhe 27 m.

Sankt Andreas ist eine der großen Hauptkir­chen Hildesheims. Der Turm ist mit 114,5 m Höhe der höchste Kirchturm in Niedersach­sen.

Der früheste Kirchbau an diesem Ort war ei­ ne schlichte vorromanische Kapelle, die be­ reits im Jahr 1022, dem Todesjahr Bischof Bernwards, bestand. In den Folgejahren ver­ lagerten sich Handwerk und Gewerbe von der Domburg in Richtung der späteren Sankt­Andreas­Kirche, sodass die Kapelle durch eine romanische Kirche ersetzt wurde. Ende des 14. Jahrhunderts begann der Bau einer gotischen Kirche, wobei das romani­ sche Westwerk einbezogen und der Quer­schnitt in Form der vorbestehenden Basilika beibehalten wurde. So wurden, je nachdem, wie viel Geld zur Verfügung stand und wel­che politischen Umstände grade herrschten, der Chor (1389), das nördliche Seitenschiff (ab 1404), der Turm (ab 1503) und die Ver­bindung zwischen Turm und Kirchenschiff (ab 1504) in Angriff genommen. Der Turm erreichte seine endgültige Höhe erst im Jahr 1883. Er ist öffentlich zugänglich, nach 364 Stufen erreicht man die Plattform mit gran­dioser Aussicht über Hildesheim.

Als Marktkirche repräsentierte Sankt Andre­as das im Hochmittelalter erwachende bür­gerliche Selbstbewusstsein gegenüber dem Machtanspruch des Bischofs, der seinerseits seine Dominanz mit dem Dom (Hochstift) zeigte.

In der Reformationszeit wurde dieser Macht­ gegensatz mit religiösen Fragen verknüpft. Daraus folgte, dass St. Andreas 1542 die ers­ te Kirche Hildesheims war, in der lutherische Predigten gehalten wurden. Und von dort aus führte Johannes Bugenhagen die neue evangelische Kirchenordnung ein.

Im Februar 1945 wurden bei einem Luftan­griff mehrere Fenster beschädigt, bei einem weiteren Luftangriff im März 1945 brannte die Kirche bis auf die Umfassungsmauern nieder, der Turm blieb jedoch erhalten.

Der Wiederaufbau erfolgte erst in den 1950er Jahren und auch hauptsächlich aus der Furcht heraus, die verbliebenen Mauern könnten so instabil werden, dass sie auf die wiederaufgebauten Häuser stürzen.

Die Kirche wurde weitgehend originalgetreu rekonstruiert, auf die barocken Überformun­gen wurde verzichtet, dafür in den Jah­ren 1965/66 eine neue Orgel mit 63 Regis­tern, vier Manualen, einem Pedal und einem zusätzlichen Glockenspiel eingebaut. Dem Organisten stehen 4734 Orgelpfeifen zur Verfügung. Die Pfeifen waren ursprünglich aus Zink gearbeitet und wurden 1995 durch Pfeifen aus Zinn ersetzt. Regelmäßig finden in der Kirche Orgel­ und Chorkonzerte statt. Im Turm hängen vier Glocken, von denen drei Leihglocken aus den ehemaligen deut­schen Ostgebieten sind. Die dortigen Be­wohner hatten sie auf der Flucht mit in die neue Heimat gebracht (aus der Marienkirche in Danzig, gegossen 1632, aus Rastenberg in Ostpreußen, 1738 und Mühlhausen in West­preußen, 1725) die vierte Glocke stammt aus dem Jahr 1963 und ist ein Geschenk der Stadt Hildesheim.

So viel zur wirklich eindrucksvollen Sankt­ Andreas­-Kirche.

Nicht minder eindrucksvoll war der Gottes­dienst: es gab ein typisches „Axel­-Anspiel“ mit Pastor Kawalla als Dörrfisch und einer jugendlichen Mitarbeiterin als Spaghetti­-Pa­ckung. Gemeinsam kommentierten sie die Speisung der Fünftausend. Dazu wurden Lie­der gesungen, die Axel Kawalla auf der Gi­tarre begleitete.
Es gab eine Mitmachaktion, bei der die Got­tesdienstbesucher mit Schere, Papier und Stiften ihren Dank kreativ zum Ausdruck bringen konnten. Die kleineren und größe­ ren Kunstwerke wurden dann in den kleinen Nebenaltären aufgehängt. Dort feierten wir auch gemeinsam Abendmahl mit Saft und Fladenbrot (ganz ungewohnt, aber sehr be­ rührend nach der langen Zeit, als Corona das unmöglich machte).

Nach dem Gottesdienst beantwortete ein Mitglied des Kirchenvorstands den neugieri­gen Gästen aus Melanchthon noch alle mög­lichen Fragen, zum Beispiel nach der Ge­schichte von St. Andreas (siehe oben), nach der Gemeindegrö­ße (4.000 Mitglieder, aber es waren mal 15.000), nach der Heizung (Ölheizung, ein großes Problem derzeit), der Orgel und vie­lem mehr.

Danach wurden alle Gottesdienstbesucher ins gegenüberliegende Gemeindehaus zum Suppeessen eingeladen. Auch das Gemein­ dehaus ist von eindrucksvoller Größe und wurde erst kürzlich umfassend und sehr chic renoviert.

Beim Essen der leckeren Suppe erzählte Axel vom Gemeindeleben, davon, wie er den Spa­gat bewältigt, in einer so großen Kirche inti­me, persönliche Gottesdienste zu feiern.

Alles in allem ein gelungener Ausflug, es war schön, Axel Kawalla wiederzusehen und sei­ ne neue Gemeinde kennenzulernen.

KATRIN WIEDERSHEIM

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