Miserikordias Domini – Melanchthon Online | 26.04.2020

„Melanchthon zu Hause“

Miserikordias Domini 26.04.2020 – Pastor i.R. Hartmut Voigts

Liebe Leser, der Gottesdienst in unserer Kirche ist zwar abgesagt, aber durch verschiedene Medien (Video, Druck) versuchen wir, Sie zu erreichen.

Dieser Sonntag mit seinem lateinischen Namen Miserikordias Domini (übersetzt: die Güte des Herrn) wird auch der „Sonntag des Guten Hirten“ genannt. Uns allen sind seit Kindestagen der 23. Psalm (Der Herr ist mein Hirte) und die Geschichte vom verlorenen Schaf (Lukas 15, 1-7) vertraut.

Der Hirte ist in der Bibel das Bild für die Güte und Barmherzigkeit Gottes schlechthin. Der Hirte kümmert sich um seine Schafe, er sorgt für sie, er schützt sie. Also dichtet Henriette von Hayn im Jahr 1778:

„ Weil ich Jesu Schäflein bin,
freu ich mich nur immerhin
über meinen guten Hirten,
der mich wohl weiß zu bewirten,
der mich liebet, der mich kennt,
und bei meinem Namen nennt.“

Dieses Lied ist uns bekannt als Kinderlied, aber gilt es nicht auch für uns im Erwachsenenalter? Wie sonst könnte ein erwachsener Mann wie David den
23. Psalm dichten: “Der Herr ist mein Hirte“. Der für den heutigen Sonntag vorgeschlagene Predigttext verwendet auf sehr deutliche Weise auch das Bild vom Hirten und seinen Schafen.

1.Petrus 2, 21 – 25

21. Christus hat für euch gelitten. Er hat euch ein Beispiel gegeben, damit ihr ihm in seiner Fußspur folgt.

22. Er hat keine Schuld auf sich geladen und aus seinem Mund kam nie ein unwahres Wort.

23. Wenn er beschimpft wurde, gab er es nicht zurück. Wenn er litt, drohte er nicht mit Vergeltung. Sondern er übergab seine Sache dem gerechten Richter.

24. Er selbst hat unsere Sünde mit seinem eigenen Leib hinaufgetragen an das Holz. Dadurch sind wir für die Sünde tot und können für die Gerechtigkeit leben. Durch seine Wunden seid ihr geheilt.

25. Ihr wart wie Schafe, die sich verirrt hatten. Aber jetzt seid ihr zu eurem Hirten und Beschützer zurückgekehrt. (Übersetzung: Basisbibel)

Es ist die Rede davon, dass wir auf unserer Lebensreise der Fußspur Christi nachfolgen sollen. Und dann verbindet der Text zwei Bilder von Christus, die sonst eher einzeln anzutreffen sind: Das Bild von Christus als dem Leidenden und Gekreuzigten und das Bild von Christus als dem guten Hirten.

Das ist hilfreich für unseren Glauben, in dem wir wachsen und erwachsenen werden können. Das Leben der Christen ist eben nicht frei von Leid. Aber als solche, die der Fußspur Christi folgen, sind wir nicht allein gelassen.

Wir sind Teil einer Gemeinschaft, die Jahrhunderte alt ist und auch heute noch unterwegs ist. Da gibt es Weggefährten, mit denen ich meine Freude und meine Hoffnung, aber auch meinen Kummer, meine Fragen und mein Leid teilen kann. Da gibt es hoffentlich Menschen, die auf mich achtgeben, mich begleiten, an und für mich denken. Aber auch das gilt es gerade in dieser Zeit zu bedenken.

Jesus ist nicht nur mein guter Hirte, sondern er ist auch der gute Hirte der weltweiten Christenheit. Da dürfen wir die Leiden der Menschen in anderen Ländern und Kontinenten nicht außer Acht lassen. Unser Text ist daher eine Mischung aus Ermahnung, Erinnerung und Trostzuspruch. Für ihn hat Christus alle Menschen erlöst, weil er für alle Menschen am Kreuz gestorben ist.

Das Bild vom guten Hirten ist ein „Urbild“ der Bibel. Der Hirte hütete seine Herde, hielt sie zusammen und schützte sie. Er hatte immer die ganze Herde im Blick und damit auch jedes einzelne Tier.

Verschwand der Hirte oder kümmerte er sich nicht, dann war stets die ganze Herde in Gefahr. Gott als getreuer Hirte sorgt für seine Herde, also für sie und für mich. Er geht ähnlich wie der Hirte den verlorenen Schafen nach, pflegt die Verwundeten und führt die Herde zusammen und schützt sie vor Angriffen. Ja, in unserem Predigttext ist die Rede davon, dass der gute Hirte für die Seinen leidet.

Betonen möchte ich, dass es selbstverständlich auch gute Hirtinnen gibt! Das Hirtenmotiv ist daher das Versprechen. Da ist jemand, der verlässlich für mich sorgt und immer für mich da ist. Das spricht in klassischer Weise der 23. Psalm aus:

Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln.
Er weidet mich auf einer Aue und führet mich zum frischen Wasser.
Der erquicket meine Seele.
Er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen.
Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück;
Denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich.
Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde.
Du salbest mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein.
Gutes und Bramherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang,
und ich werde bleiben im Haus des Herrn immerdar.

Der Herr segne dich und behüte dich; der Herr lasse leuchten sein Angesicht über dir und sei dir gnädig; der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und gebe
dir + Frieden. Amen.

Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Sonntag!