Jubilate – Melanchthon Online | 03.05.2020

Kurzpredigt für den 3. Mai 2020

„Jubilate“ heißt dieser Gottesdienst im Kirchenjahr, nach der lateinischen Fassung von Psalm 66: „Jauchzet Gott, alle Lande! Sprecht zu Gott: Wie wunderbar sind deine Werke!(Ps. 66, 1 und 3).

Aber wie preisen wir Gott, wenn ein Virus die Welt in Atem hält? Wenn so viele erkranken und sterben? Wenn Angst, Einsamkeit und Spannungen den Alltag belasten? Wenn Millionen Arbeitsplätze bedroht sind und der Hunger sich weltweit verdoppelt?

Der jubelnde Wochenpsalm 66 kennt auch solche Situationen: „Du hast auf unsern Rücken eine Last gelegt, du hast Menschen über unser Haupt fahren lassen, wir sind in Feuer und Wasser gekommen. Aber du hast uns herausgeführt und erquickt.(Vers 11 und 12).

Er blickt zurück auf Rettung aus tiefem Leid. Und er macht Mut, das auch in Zukunft von Gott zu erwarten: Du wirst uns weiter aus aller Not herausführen.

In dieses trotzige Jubeln will ich einstimmen und auf Gottes „Aber“ hoffen.

Schon jetzt erfahren wir, wie Gott Menschen in Notzeiten bewahrt und beschützt:

Viele Infizierte genesen wieder. Zahllos sind die Beispiele gegenseitiger Unterstützung. Bekannte und Verwandte nehmen Kontakt auf, die sich aus den Augen verloren hatten. Zeichen der Nähe auch aus Distanz entpuppen sich kostbarer als alles, was sich kaufen lässt. Wir lernen, wie systemrelevant Kassierer, Polizistinnen, Krankenpfleger und andere Helden des Alltags sind. Wir üben ein, ökologisch und digital verbunden zu leben. Und unser demokratischer Staat bewährt sich auf beeindruckende Weise.

Die Melanchthon-Gemeinde hat für Karfreitag und Ostersonntag Materialien als „Ostern in Tüten“ verteilt. Es gab Online-Gottesdienste auf der Homepage. Predigten wurden in Haushalten, Altenheimen und vor der Kirche verteilt.

Fallen auch Ihnen Beispiele von Nächstenliebe, Erfindungsreichtum und Lernbereitschaft ein? Gründe zum Danken inmitten von Not?

Das Leid bleibt Wirklichkeit – doch es muss unser Denken nicht beherrschen. Wir sind in Feuer und Wasser gekommen. Aber du hast uns herausgeführt.

Ein Schritt dahin ist, dass es in Niedersachsen ab dem 10. Mai wieder Gottesdienste gibt. Wann und wie die Melanchthon-Gemeinde einsteigt, entscheidet der Kirchenvorstand am Donnerstag (7.5.). Sicher werden die bunten Stühle in Melanchthon weiter auseinanderstehen und vieles wird anders sein.

Doch irgendwann wird das Coronavirus seine Macht verlieren. Menschen werden sich wieder furchtlos begegnen, und Berührungen werden zu einem Zeichen von Zuneigung.

Und eines Tages, Gott weiß wann, werden wir im Gottesdienst ohne Maske eng beieinander sitzen und laut „Lobe den Herren“ schmettern: „Lobe den Herren, der künstlich und fein dich bereitet, der dir Gesundheit verliehen, dich freundlich geleitet. In wieviel Not hat nicht der gnädige Gott über dir Flügel gebreitet!(EG 316, 3)

In Kirchen und Moscheen, auf Festplätzen und in Stadien werden Menschen aus allen Teilen der Welt das Ende von Corona bejubeln. Sie werden der Toten gedenken und das neue Leben feiern – ein Fest der Auferstehung. Wir bekommen einen Vorgeschmack auf das Reich Gottes, das alle Tränen abwischt und Grenzen einreißt.

Jauchzet Gott, alle Lande! Sprecht zu Gott: Wie wunderbar sind deine Werke!

Pfarrer Bendix Balke, Referent im Kirchenamt der EKD