Exaudi – Melanchthon Online | 24.05.2020

„Melanchthon zu Hause“

Exaudi 2020 Pastorin i. R. Renate Otte zu Jeremia 31,31-34

 

Liebe Melanchthongemeinde,

eins ist klar: diese Corona­-Pan­demie ist keine Heimsuchung Gottes, keine Strafe, die uns zu Umkehr und Buße rufen will, denn so ist Gott nicht, jedenfalls nicht, wenn wir dem Propheten Jeremia folgen.

Siehe, es kommt die Zeit,“ spricht der Herr, „da will ich mit dem Hause Israel und mit dem Hause Juda einen neuen Bund schließen, nicht wie der Bund gewesen ist, den ich mit ihren Vä­tern schloss, als ich sie bei der Hand nahm, um sie aus Ägypten­land zu führen, ein Bund, den sie nicht gehalten haben, ob ich gleich ihr Herr war. Sondern das soll der Bund sein, den ich mit dem Hause Israel schließen will nach dieser Zeit: Ich will mein Gesetz in ihr Herz geben und in ihren Sinn schreiben, und sie sol­len mein Volk sein, und ich will ihr Gott sein. Und es wird keiner den anderen noch ein Bruder den anderen lehren und sa­gen: ‚Erkenne den Herrn‘, sondern sie sollen mich alle erken­nen, beide, klein und groß, denn ich will ihnen ihre Missetat verge­ben und ihrer Sünden nimmermehr gedenken.“

Das ist ein gutes Wort zur rechten Zeit. Damals bei Jeremia weckte es die Hoffnung der Israeliten auf eine neue bes­sere Zukunft nach dem Strafgericht der Vertreibung nach Baby­lon. Uns heute kann es Mut und Zutrauen stärken, dass wir die Bedrohungen dieser Pandemie eingrenzen und auch schlimme Folgen gemeinsam tragen können.

Gott und Menschen gehören immer zusammen, aber die Art ihres Bundes ändert sich. Zuerst hat Gott die Menschen an die Hand genommen und hat ihnen Gebote für ein gutes Zusam­menleben gegeben, aber das hat nicht gereicht. Die Menschen haben diesen Bund nicht gehalten. Bei Jeremia nun schreibt Gott sein Gesetz den Menschen ins Herz und in den Sinn. Da passt kein Blatt mehr zwischen Gott und Mensch. Mehr Nähe geht nicht. Kurt Marti hat das so beschrieben:

großer gott:

uns näher

als haut

oder halsschlagader

kleiner

als herzmuskel

zwerchfell oft

wir:

deine verstecke

 

Liebe Gemeinde, in diesen Tagen sind unsere Herzen aufge­wühlt und zerrissen: Sorgen um die Gesundheit, aber auch Hof­fen auf Medikamente und Impfstoffe; Angst vor den Folgen der Pandemie, aber auch Zutrauen zu Hilfsmaßnahmen; Entsetzen über schreckliche Nachrichten, aber auch Dankbarkeit für Bewah­rung; Trauern um Verluste, aber auch Freude an Kontak­ten. All das und vieles mehr treibt uns um. Das Virus hat uns in eine weltweite Krise gestürzt.

Da – mittendrin in unseren unruhigen Herzen und in unse­ren unsicheren Sinnen und in unserem suchenden Verstand – ist Gott mit seinem guten Geist dabei und will und kann uns auf die richtigen Wege führen. Darum bitten und darauf hoffen wir: „Ich bin, Herr, zu dir gekommen, komme du nun auch zu mir. Wo du Wohnung hast genommen, da ist lauter Himmel hier. Zieh in meinem Herzen ein, lass es deinen Tempel sein.“ (EG 166)

Und der Friede Gottes, der höher ist als unsere Vernunft, be­wahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

 

Zu Pfingsten gibt es wieder „Melanchthongottesdienst in der Kir­che“ mit Frau Pastorin Maier. Sie sind herzlich eingeladen!